Großes oder kleines Latinum – was ist der Unterschied?

Früher waren die Begriffe kleines und großes Latinum gängig. Heute werden oft nur noch Begriffe wie Lateinkenntnisse oder Latinum verwendet.

Wird von „Lateinkenntnissen“, beispielsweise in den Voraussetzungen für einen Studiengang, gesprochen, sind damit meist Sprachkenntnisse auf dem Niveau des kleinen Latinums gemeint. Steht in der Studiengangbeschreibung „Latinum“, müssen die Student*innen meist das Niveau des großen Latinums nachweisen.

Latinum ist die Kurzform für „examen latinum“, also „lateinische Prüfung“ und damit ein Nachweis über Kenntnisse der lateinischen Sprache. Häufig wird noch immer vom kleinen oder großen Latinum gesprochen. 1979 wurde in vielen Bundesländern das Latinum, auch KMK-Latinum genannt, eingeführt. In einigen Bundesländern können Schüler*innen aber weiter ein großes oder kleines Latinum erwerben. Nordrhein-Westfalen und Thüringen bieten noch immer das kleine Latinum an, während in anderen Bundesländern das große Latinum erworben werden kann, eine Wahlmöglichkeit besteht oder kein Unterschied zwischen beide Varianten gemacht wird.

Heute gilt nur noch das Latinum als bundesweit einheitliche Qualifikation, die mit dem Abiturzeugnis nachgewiesen wird. Dazu müssen die Schüler drei bis sechs Jahre Lateinunterricht gehabt haben (je nach Jahrgangsstufe als Grund- oder Leistungskurs) und diesen mindestens mit der Note ausreichend abgeschlossen haben.

 

Das kleine Latinum – Definition und Anforderungen

Für das kleine Latinum werden grundlegende Lateinkenntnisse geprüft. Oft reicht das kleine Latinum für viele Studiengänge aber nicht aus. Früher bewegten sich die Lateinkenntnisse der Niveaustufe des kleinen Latinums im Bereich von Caesars „De bello Gallico“. Heute umfasst das kleine Latium eher Reden von Cicero. Auch grammatische Grundlagen und die römische Geschichte sind Teil des Lateinunterrichts.

An Gymnasien können bis zum Abitur drei Arten von Latina erworben werden. Um das Latinum erfolgreich bestanden zu haben, muss im Fach Latein mindestens die Note ausreichend auf dem Zeugnis stehen. Je nach Bundesland gibt es aber unterschiedliche Vorgaben.

 

Das große Latinum – Definition und Anforderungen

Beim großen Latinum geht man eher von Lateinkenntnissen auf höherem Niveau aus als beim kleinen Latinum, und auch die Prüfungen sind strenger. In der Schule erhalten Schüler das große Latinum, wenn sie in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 Lateinunterricht hatten und das Fach auch in der Oberstufe beibehalten haben, je nach Vorgaben auch als Leistungskurs.

 

Wofür brauche ich ein kleines bzw. großes Latinum?

Auch wenn seit der Herausbildung der romanischen Sprachen schon seit der Spätantike das Hochlatein kaum noch gesprochen wird, war und ist Latein eine wichtige Wissenschaftssprache. In vielen Studiengängen gehört das Latinum bis heute zu den Voraussetzungen, um einen Studienplatz zu bekommen. Ist dies nicht der Fall, müssen die Student*innen den Lateinunterricht im Laufe des Studiums nachholen.

An vielen Universitäten sind die Anforderungen bei Lateinkenntnissen aber sehr unterschiedlich. Je nach Universität und Studiengang reichen Lateinkenntnisse auf dem Niveau des kleinen Latinums aus, an anderen werden weitere Kenntnisse verlangt. In rund 120 Studienfächern müssen Studentinnen und Studenten Lateinkenntnisse nachweisen. Dazu gehören beispielsweise das Lehramt für Gymnasien in Fächern wie Französisch oder Geschichte, Archäologie oder Philologie. Unter Umständen gilt das Graecum als Alternative zum Latinum.

Die Vorgaben der einzelnen Universitäten und Bundesländer sind zum Teil sehr unterschiedlich. Die Prüfungen gelten aber überall als ähnlich schwierig. Daher ist es sinnvoll, sich vor dem Beginn des Studiums gut zu informieren, welche Lateinkenntnisse verlangt werden. Idealerweise gehen Student*innen, die ein solches Fach studieren möchten, schon mit dem Latinum von der Schule ab. Allerdings verändern sich Lebenswege, oder die angehenden Studierenden wissen gar nicht, dass sie Lateinkenntnisse für ihr Wunschstudium nachweisen müssen. Daher stehen viele Student*innen vor der Aufgabe, ihr Latinum nachzuholen. Außerdem gibt es mittlerweile auch Gymnasien, die gar kein Latein mehr anbieten.

 

Wie lernt man am schnellsten Latein?

Wer bereits eine romanische Sprache wie Italienisch oder Französisch spricht, dem fällt das Lernen des Lateinischen oft leichter. Lateinkurse zielen nicht darauf ab, die Sprache fließend zu sprechen. Das Ziel ist, lateinische Texte zu verstehen und zu übersetzen sowie die Grundzüge der lateinischen Grammatik zu beherrschen. Sinnvoll ist, sich im Rahmen eines Kurses mit der lateinischen Sprache auseinanderzusetzen. Damit gelingt auch die Vorbereitung auf das Latinum oft sehr gut.

 

Wie und wo kann man das kleine und große Latinum nachholen?

Wer das Latinum nicht an einem Gymnasium erworben hat, kann die Prüfung später nachholen. Dafür werden häufig Ferienkurse oder Kurse an Volkshochschulen und Fernschulen angeboten. An einigen Universitäten kann das Latinum aber auch in Lateinkursen während des Studiums nachgeholt werden. Viele Studenten und Studentinnen müssen damit rechnen, dass sie mindestens zwei Semester für Lateinkurse benötigen und einige Stunden Lernzeit am Tag aufwenden müssen. Zudem sind die Kurse an Universitäten oft überfüllt.

Zum Nachholen des Latinums müssen Sie eine Ergänzungsprüfung zum Abitur bei der Bezirksregierung absolvieren. Die Anforderungen sind ähnlich wie in der Abiturprüfung. Meist muss ein Text von Cicero mit etwa 180 Wörtern in drei Stunden schriftlich übersetzt werden. Ein Wörterbuch ist als Hilfsmittel erlaubt. Danach folgt eine 20 Minuten lange mündliche Prüfung. Dabei müssen die Prüflinge nach einer Vorbereitungszeit von 30 Minuten einen Text von etwa 50 Wörtern übersetzen und Fragen zur Grammatik und der römischen Geschichte beantworten.

Insgesamt muss zum Bestehen mindestens die Note ausreichend erreicht werden. Die Prüflinge haben nur zwei Versuche. Nur in Ausnahmefällen kann die Prüfung ein drittes Mal abgelegt werden. Alternativ zum Latinum bieten einige Universitäten auch eine universitätsinterne Prüfung an, deren Anforderungen aber von Universität zu Universität verschieden sind.

 

Das Latinum an einer Volkshochschule nachholen

Auch viele Volkshochschulen bieten Lateinkurse an. Meist sind diese in Module oder Niveaustufen aufgeteilt und helfen bei der Vorbereitung auf das Latinum. Im Anschluss an die Kurse kann dann eine externe Prüfung zum Latinum abgelegt werden. Bei Lateinkursen an Volkshochschulen sind die Teilnehmer aber an bestimmte Lernzeiten gebunden, was neben dem Studium oder dem Beruf oft zeitlich sehr unflexibel ist. 

 

Das Latinum flexibel im Fernstudium nachholen

Ein besonders flexibler und moderner Weg zum Latinum sind Fernkurse an einer Fernschule, die bei der Vorbereitung auf das Latinum helfen. Hier können Sie bequem von zu Hause aus lernen. Die sgd unterscheidet nach Kursen auf den Niveaustufen des kleinen und des großen Latinums, die eine Alternative zu den Kursen an Universitäten darstellen. In den Kursen geht es um die Grundlagen der lateinischen Grammatik und Lektüren von Caesar oder Cicero. Nach dem Kurs können die Teilnehmer die bundesweit anerkannte Prüfung ablegen und damit das Latinum erwerben.